Whisky-Wissen

Gerstensorten: Welchen Einfluss das Getreide wirklich auf den Whisky hat

Über Fässer und Torf wird in der Whisky-Welt viel gesprochen, über die verwendete Gerstensorte dagegen erstaunlich wenig – dabei war sie lange ein zentraler Diskussionspunkt unter Kennern, bevor sich die Branche mehrheitlich für Ertrag statt Aroma entschied.

Warum Gerste überhaupt eine Sortenfrage ist

Wie bei Wein oder Kaffee gibt es auch bei Gerste unterschiedliche Züchtungen mit unterschiedlichen Eigenschaften – manche liefern höhere Stärke- und damit Alkoholerträge, andere gelten unter traditionsbewussten Brennern als geschmacklich interessanter. Die Landwirtschaft und die Whiskyindustrie haben sich über Jahrzehnte in Richtung Ertragsoptimierung entwickelt.

Golden Promise: die Legende

Golden Promise war in den 1960er- bis 1980er-Jahren die dominante Gerstensorte in Schottland und gilt bis heute unter Traditionalisten als besonders aromatisch – viele klassische Speyside-Destillerien wie Macallan setzten lange fast ausschließlich auf diese Sorte. Golden Promise liefert einen geringeren Ertrag als moderne Sorten, wird deshalb heute nur noch selten und meist als bewusstes Premium- oder Retro-Statement angebaut.

Moderne Hochertragssorten

Sorten wie Concerto oder Laureate dominieren heute den kommerziellen Anbau, da sie bei gleicher Anbaufläche deutlich mehr Stärke und damit mehr Alkohol pro Tonne Gerste liefern – ein direkter Kostenfaktor für Landwirte und Destillerien gleichermaßen. Die meisten großen Marken verwenden heute eine Mischung solcher Hochertragssorten, ohne dies gesondert zu bewerben.

Wird der Sortenunterschied wirklich geschmeckt?

Hier ist sich die Branche uneinig: Manche Brennmeister behaupten, ältere Sorten wie Golden Promise ergäben ein malzigeres, vollmundigeres Destillat, während Kritiker argumentieren, der Unterschied verschwinde ohnehin komplett hinter dem viel stärkeren Einfluss von Hefe, Destillation und vor allem dem Fass. Wissenschaftliche Blindverkostungen liefern hier bislang keine eindeutigen Ergebnisse – die Diskussion bleibt weitgehend eine Frage der Philosophie.

Terroir: der neue Trend

Eine wachsende Zahl unabhängiger Destillerien, allen voran Waterford in Irland, verfolgt einen bewussten Terroir-Ansatz und ordnet einzelne Abfüllungen gezielt einzelnen Farmen und Gerstensorten zu – ähnlich wie bei Wein. Ob sich einzelne Anbauparzellen tatsächlich im Geschmack unterscheiden lassen, ist Gegenstand laufender, öffentlich dokumentierter Experimente dieser Destillerie.

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