Whisky-Wissen
Whisky-Awards im Faktencheck: Was taugen Jim Murray & Co.?
Ein Aufkleber „World Whisky of the Year” auf der Flasche wirkt beeindruckend – aber was steckt dahinter, und wie viel Gewicht sollte so ein Award bei der Kaufentscheidung haben?
Wer ist Jim Murray?
Jim Murray ist ein britischer Whisky-Autor. Seine „Whisky Bible” erscheint seit 2003 jährlich und war nach eigener Darstellung der erste jährliche Führer, der neu erschienene Whiskys weltweit erfassen wollte. Veröffentlicht wird sie im eigenen Verlag des Autors, Dram Good Books – die Unabhängigkeit vom Handel ist damit gegeben, die Bewertungen stammen aber von einer einzigen Person.
Wie objektiv sind solche Bewertungen?
Wie bei jeder Geschmacksbeurteilung gilt: Auch ein erfahrener Verkoster bewertet subjektiv. Murrays Urteile haben über die Jahre wiederholt für Diskussionen gesorgt – etwa 2015, als er den Yamazaki Sherry Cask 2013 zum World Whisky of the Year kürte und damit erstmals einen japanischen Whisky an die Spitze setzte. Das heißt nicht, dass das Urteil falsch war; es ist aber eine Einzelmeinung und kein Messverfahren.
Andere bekannte Bewertungssysteme
Daneben gibt es Wettbewerbe mit Jurys: die IWSC, die World Whiskies Awards oder die San Francisco World Spirits Competition. Dort wird blind und im Panel verkostet – was zu anderen Ergebnissen führen kann. Ein Beispiel: Bei den World Whiskies Awards 2014 gewann Sullivans Cove French Oak Cask aus Tasmanien den Titel World’s Best Single Malt. Mehr dazu im Artikel Whisky-Awards im Überblick.
Warum Awards trotzdem einen Nutzen haben
Trotz aller Subjektivität sind Awards ein brauchbarer erster Filter: Ein Whisky, der bei mehreren unabhängigen Wettbewerben gut abschneidet, ist selten schlecht. Als alleiniges Kaufkriterium taugen sie nicht – schon weil Hersteller selbst entscheiden, welche Abfüllungen sie überhaupt einreichen, und Teilnahmegebühren anfallen.
Mein Ansatz auf dieser Seite
Genau deshalb verkoste ich jeden Whisky selbst und ordne ihn nach eigenem Urteil ein, statt mich auf fremde Awards zu verlassen. Ardbeg Ten etwa hat unabhängig von jedem Award-Etikett bei mir die höchste Bewertung erhalten – weil er im Glas überzeugt. Zum Testbericht
Mein Rat
Nimm Award-Aufkleber als schwaches Signal, nicht als Kaufgarantie. Verlass dich auf mehrere unabhängige Quellen – oder besser: auf dein eigenes Tasting. Wie du systematisch verkostest, zeigt der Artikel Whisky richtig verkosten.
Quellen
Angaben zuletzt geprüft am .