Whisky-Wissen

Whisky-Awards im Faktencheck: Was taugen Jim Murray & Co.?

Ein Aufkleber „World Whisky of the Year” auf der Flasche wirkt beeindruckend – aber was steckt eigentlich dahinter, und wie viel Gewicht sollte so ein Award bei der Kaufentscheidung haben?

Wer ist Jim Murray?

Jim Murray ist ein britischer Whisky-Autor, der seit den 1990er-Jahren jährlich die „Whisky Bible” veröffentlicht – eine Bewertungssammlung von hunderten Whiskys auf einer 100-Punkte-Skala. Seine Auszeichnungen, etwa „World Whisky of the Year”, werden von manchen Destillerien stolz auf dem Etikett verewigt.

Wie objektiv sind solche Bewertungen?

Wie bei jeder Geschmacksbeurteilung gilt: Auch ein erfahrener Verkoster bewertet subjektiv. Murrays Bewertungen haben über die Jahre wiederholt für Diskussionen gesorgt, etwa wenn ein bestimmter Whisky auffällig oft besonders hoch bewertet wurde oder ungewöhnliche Kandidaten (wie ein kanadischer Rye-Whisky) plötzlich die höchste Auszeichnung erhielten. Das heißt nicht, dass die Urteile falsch sind – aber sie sind eine einzelne Meinung, kein objektives Messverfahren.

Andere bekannte Bewertungssysteme

Neben der Whisky Bible gibt es zahlreiche weitere Awards: die International Spirits Challenge, die World Whiskies Awards oder die San Francisco World Spirits Competition. Jedes System hat eigene Kriterien, eigene Jurys und eigene Schwerpunkte – ein Whisky kann bei einem Wettbewerb Gold gewinnen und bei einem anderen kaum auffallen.

Warum Awards trotzdem einen Nutzen haben

Trotz aller Subjektivität sind Awards ein brauchbarer erster Filter: Ein Whisky, der bei mehreren unabhängigen Wettbewerben gut abschneidet, ist selten schlecht. Als alleiniges Kaufkriterium taugen sie aber nicht – zumal manche Auszeichnungen käuflich beeinflussbar sind (Teilnahmegebühren, Sponsoring der Veranstaltung).

Mein Ansatz auf dieser Seite

Genau deshalb verkoste ich jeden Whisky selbst und ordne ihn nach eigenem Urteil ein, statt mich auf fremde Awards zu verlassen. Ardbeg Ten etwa hat unabhängig von jedem Award-Etikett bei mir die höchste Bewertung erhalten – weil er im Glas überzeugt, nicht weil eine Jury das irgendwann entschieden hat. Zum Testbericht

Mein Rat

Nimm Award-Aufkleber als schwaches Signal, nicht als Kaufgarantie. Verlass dich stattdessen auf mehrere unabhängige Quellen – oder besser noch: auf dein eigenes Tasting. Wie du systematisch verkostest, zeigt der Artikel Whisky richtig verkosten.