Whisky-Wissen

Zuckerkulör E150a im Whisky: Wie viel Färbung steckt wirklich drin?

Ein Glas Whisky mit Eis
Ein Glas Whisky vor einer Backsteinwand. Einfaches Zuckerkulör (E150a) ist neben Wasser der einzige erlaubte Zusatz bei Whisky. Foto: Ricktapam / Pixabay

Die goldbraune Farbe eines Whiskys wirkt wie ein natürliches Qualitätssiegel – ist es aber nicht zwangsläufig. Viele Whiskys im Regal sind nachträglich gefärbt, und das ist legal.

Was ist Zuckerkulör E150a?

E150a heißt im Lebensmittelrecht „einfaches Zuckerkulör” – eine Karamellfarbe, die durch Erhitzen von Zucker entsteht. Bei Whisky dient sie ausschließlich der Farbanpassung, nicht der Süße oder dem Aroma. Die EU-Spirituosenverordnung erlaubt bei Whisky neben Wasser genau diesen einen Zusatz, und auch die Scotch Whisky Regulations lassen „plain caramel colouring” zu.

Warum wird Whisky überhaupt gefärbt?

Die natürliche Farbe eines Whiskys entsteht im Fass – abhängig von Fassart, Voreinsatz und Reifedauer. Das Problem für die Hersteller: Diese Farbe schwankt von Fass zu Fass, teils erheblich. Damit eine Marke über Jahre hinweg gleich aussieht – Konsumenten verbinden intuitiv dunklere Farbe mit mehr Reife oder Qualität – wird mit E150a nachjustiert.

Ist das ein Qualitätsproblem?

Ob man die Färbung schmeckt, ist umstritten; die eingesetzten Mengen sind gering. Das eigentliche Problem ist ein anderes: Die Farbe verliert ihre Aussagekraft als Qualitätsindikator. Ein dunkler Whisky muss nicht automatisch mehr Fasseinfluss oder mehr Reifezeit haben – ein heller kann ungefärbt und lange gereift sein, ein dunkler jung und gefärbt.

Wo steht das auf dem Etikett?

Hier kommt es auf das Land an. EU-weit müssen Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol kein Zutatenverzeichnis tragen (Artikel 16 Absatz 4 der Lebensmittelinformationsverordnung) – E150a taucht dort also nicht zwingend auf. In Deutschland verlangt § 5 der Lebensmittelzusatzstoff-Durchführungsverordnung für solche Getränke dennoch den Hinweis „mit Farbstoff”, meist im Kleingedruckten auf dem Rückenetikett. Wer sichergehen will, dass die Farbe komplett aus dem Fass stammt, sucht nach Angaben wie „natural colour” oder „no colouring added” – solche Hinweise finden sich häufiger bei kleineren, handwerklich orientierten Abfüllungen.

Praxis: Lass dich von der Farbe nicht täuschen

Im Tasting des Talisker 10 Jahre wird selbst darauf hingewiesen, dass bei der einladenden goldenen Farbe mit Zuckerkulör nachgeholfen wurde – ein gutes Beispiel dafür, dass Farbe allein nichts über die innere Qualität eines Whiskys aussagt. Zum Testbericht

Was wirklich zählt

Verlass dich beim Beurteilen eines Whiskys auf Nase, Geschmack und Abgang – nicht auf die Farbe im Glas. Wie man dabei systematisch vorgeht, erklärt der Artikel Whisky richtig verkosten. Und mehr zum eigentlichen Ursprung der Farbe im Artikel zu Whisky-Fässern.

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2019/787 über Spirituosen – Anhang I, Kategorie 2 Buchstabe a (nur Wasser und einfaches Zuckerkulör), abgerufen am 15. September 2026
  2. The Scotch Whisky Regulations 2009 (SI 2009/2890) – Regulation 3 (plain caramel colouring), abgerufen am 15. September 2026
  3. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung) – Artikel 16 Absatz 4, abgerufen am 15. September 2026
  4. Lebensmittelzusatzstoff-Durchführungsverordnung (LMZDV) – § 5 Absatz 1 Nummer 1 und Absatz 5, abgerufen am 15. September 2026

Angaben zuletzt geprüft am .