Whisky-Wissen
Bottled in Bond: Amerikas strengstes Whiskey-Gütesiegel erklärt
Während Scotch Whisky über die Scotch Whisky Regulations reguliert wird, hat Amerika mit „Bottled in Bond” ein eigenes, deutlich älteres Gütesiegel: Der Bottled-in-Bond Act wurde am 3. März 1897 beschlossen – neun Jahre bevor die USA mit dem Food and Drugs Act von 1906 ein allgemeines Gesetz gegen verfälschte Lebensmittel bekamen.
Die Ursprünge: Misstrauen im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert konnten Käufer amerikanischen Whiskeys kaum erkennen, ob sie gereiften Whiskey oder gestreckte, nachgefärbte Ware bekamen. Der Bottled-in-Bond Act schuf dafür eine staatlich überwachte Alternative: Whiskey durfte unter Aufsicht eines staatlichen Lagerhalters im Zolllager der Brennerei abgefüllt und mit Steuerbanderole versehen werden.
Die Bedingungen für das Siegel
Die heutigen Regeln stehen in 27 CFR § 5.88. Ein Whiskey darf sich nur dann „Bottled in Bond” nennen, wenn er:
- vom selben Brenner in derselben Brennerei destilliert wurde
- in einer einzigen Brennsaison entstanden ist – das US-Recht unterscheidet die Frühjahrssaison (1. Januar bis 30. Juni) und die Herbstsaison (1. Juli bis 31. Dezember)
- mindestens vier Jahre in Holzfässern in einem staatlich überwachten „Bonded Warehouse” gelagert wurde
- nur mit reinem Wasser auf exakt 50 Volumenprozent (100 US Proof) eingestellt und so abgefüllt wird
- außer durch Filtration, Kühlfiltrierung oder andere physikalische Behandlungen nicht verändert wurde
Auf dem Etikett muss zudem die Brennerei genannt werden, in der der Whiskey gebrannt und gelagert wurde, samt Nummer des Brennereibetriebs.
Warum das Siegel bis heute Vertrauen schafft
Anders als viele moderne Marketingbegriffe ist „Bottled in Bond” gesetzlich eng definiert. Zuständig ist das Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau (TTB), eine Behörde des US-Finanzministeriums. Für Konsumenten bedeutet das Siegel: keine Mischung verschiedener Brennereien oder Brennsaisons, mindestens vier Jahre Reifung und keine Zusätze außer Wasser.
Bottled in Bond bei Craft-Destillerien
Auch jüngere, unabhängige Destillerien nutzen das Siegel. New Riff aus Kentucky etwa füllt seinen Bourbon als Bottled in Bond mit 100 Proof und mindestens vier Jahren Reifezeit ab und beruft sich dabei ausdrücklich auf das Gesetz von 1897.
Der Unterschied zur Mash Bill
Bottled in Bond regelt Herkunft, Reifezeit und Abfüllstärke – nicht aber, aus welchem Getreide der Whiskey besteht. Das legen die Standards für die einzelnen Whiskey-Typen fest: Bourbon etwa muss laut 27 CFR § 5.143 aus einer Maische mit mindestens 51 Prozent Mais gebrannt werden (siehe Whisky-Sorten).
Weiter im Glossar
Einen kompakten Überblick über alle wichtigen Whisky-Fachbegriffe an einem Ort bietet das Whisky-Glossar.
Quellen
- An Act To allow the bottling of distilled spirits in bond (29 Stat. 626)
- 27 CFR § 5.88 – Bottled in bond
- 27 CFR § 5.1 – Definitions
- 27 CFR § 5.143 – Whisky
- Part I: The 1906 Food and Drugs Act and Its Enforcement
- New Riff Bottled In Bond Bourbon
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