Whisky-Wissen

Campbeltown: Die vergessene Whisky-Region Schottlands

Karte des schottischen Südwestens mit den Inseln Islay und Arran und einem markierten Punkt im Süden der Halbinsel Kintyre: Campbeltown
Campbeltown im Süden der Halbinsel Kintyre. Neben Islay ist der Ort eine von zwei Herkunftsangaben, die die Scotch Whisky Regulations eigens schützen. Karte: eigene Darstellung, Geodaten Natural Earth (gemeinfrei)

Wer die klassischen schottischen Whisky-Regionen aufzählt, nennt meist Highlands, Speyside, Islay, Islands und Lowlands. Diese Alltagsliste weicht allerdings von der rechtlichen ab: Die Scotch Whisky Regulations 2009 schützen die Regionen Highland, Lowland und Speyside sowie die Orte Campbeltown und Islay. Die „Islands” sind offiziell keine eigene Region; Campbeltown dagegen steht im Gesetz und fehlt trotzdem in fast jeder Aufzählung. Dabei war die kleine Hafenstadt einmal bedeutender als die meisten anderen.

Die einstige Whisky-Hauptstadt

Im 19. Jahrhundert drängten sich in Campbeltown, einer Hafenstadt auf der Halbinsel Kintyre, die Brennereien auf engstem Raum. Glen Scotia, 1832 gegründet, war nach Angaben der Brennerei im Jahr 1835 eine von fast 30 Destillerien am Ort. Die Kombination aus Kohle, guter Schiffsanbindung und lokalem Gerstenanbau machte Campbeltown zu einem industriellen Zentrum der Whiskyproduktion.

Der Niedergang im 20. Jahrhundert

Der Aufstieg endete abrupt. Wegfallende Exportmärkte, wirtschaftliche Krisen und ein beschädigter Ruf setzten der Stadt zu; innerhalb weniger Jahrzehnte schlossen fast alle Brennereien. Wie typisch dieser Weg war, zeigt Glengyle: 1872 gegründet, stellte die Brennerei 1925 die Produktion ein und blieb fast 80 Jahre still.

Drei Destillerien halten die Tradition am Leben

Heute sind in Campbeltown drei Brennereien aktiv: Springbank, Glen Scotia und Glengyle. Letztere wurde im Jahr 2000 von Mitchell’s Glengyle gekauft und 2004 wieder in Betrieb genommen – ihr Whisky heißt allerdings nicht Glengyle, weil dieser Name schon für einen Blended Malt geschützt war. Stattdessen firmiert er als Kilkerran, nach dem gälischen Ursprungsnamen der Stadt.

Der typische Campbeltown-Stil

Campbeltown-Whiskys gelten als maritim-salzig, oft mit leicht öliger Textur und dezenter Rauchnote – ein Profil zwischen den kräftigen Islay-Malts und den milderen Highland-Whiskys. Springbank hat dabei den Ruf, besonders traditionell zu arbeiten und viele Produktionsschritte im eigenen Haus zu erledigen.

Warum die Region wieder wächst

Die Zahl drei ist womöglich eine Momentaufnahme: Mit dem Projekt Machrihanish von R&B Distillers – laut Betreiber die erste Farm-Brennerei der Region seit über 180 Jahren – sowie den Vorhaben Dál Riata und Witchburn sind mehrere Neugründungen in Planung oder Bau. Zusammen mit dem Sammlerruf von Springbank sorgt das dafür, dass die kleinste Whisky-Region derzeit mehr Aufmerksamkeit bekommt als in den hundert Jahren davor.

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Quellen

  1. The Scotch Whisky Regulations 2009 (SI 2009/2890) – Regulation 10 (geschützte Orte Campbeltown und Islay; Regionen Highland, Lowland, Speyside), abgerufen am 16. September 2026
  2. Glen Scotia Distillery – Glen Scotia, Abschnitt Geschichte (gegründet 1832; 1835 eine von fast 30 Brennereien; heute drei in Campbeltown), abgerufen am 16. September 2026
  3. The Glengyle Distillery – Glengyle/Kilkerran, Geschichte (Gründung 1872, Stilllegung 1925, Kauf 2000, erstes Destillat 2004, Namensherkunft Kilkerran), abgerufen am 16. September 2026
  4. The Machrihanish Distillery – R&B Distillers, Projektseite („first farm distillery in the region in over 180 years“), abgerufen am 16. September 2026

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