Whisky-Wissen

Sherry-Fasstypen erklärt: Oloroso, PX, Fino und STR im Vergleich

„Sherryfass” klingt auf dem Etikett nach einer einzelnen, klaren Sache – tatsächlich verbergen sich dahinter mehrere völlig unterschiedliche Sherry-Stile, die dem Whisky sehr verschiedene Charaktere mitgeben. Wer den Unterschied kennt, versteht auch, warum zwei „sherrygereifte” Whiskys geschmacklich oft wenig gemeinsam haben.

Oloroso: der Klassiker unter den Whisky-Sherryfässern

Oloroso ist ein trockener, aber kräftiger und dunkler Sherry mit intensiven Noten von Walnuss, getrockneten Früchten und Gewürzen. Fässer, die zuvor Oloroso enthielten, gelten als der Goldstandard für sherrygereiften Whisky und liefern die typischen Rosinen-, Nuss- und Lederaromen, die man etwa bei Glendronach oder Aberlour findet.

Pedro Ximénez (PX): süß und schwer

Pedro Ximénez ist ein sehr süßer, fast sirupartiger Dessertwein-Sherry aus getrockneten Trauben. PX-Fässer geben dem Whisky eine intensive, fast schokoladig-melassige Süße mit – oft in Kombination mit Oloroso-Fässern verwendet, um zusätzliche Tiefe und Süße zu erzeugen, ohne dass der Whisky zu einseitig wirkt.

Fino: hell, trocken, hefig

Fino ist ein sehr heller, trockener Sherry, der unter einer schützenden Hefeschicht (Flor) reift und dadurch einen charakteristisch salzig-hefigen Ton entwickelt. Fino-Fässer sind in der Whiskyproduktion deutlich seltener als Oloroso oder PX, liefern aber ein feineres, weniger süßes Profil mit interessanten Nuss- und Mandelnoten.

STR-Fässer: der moderne Trick der Branche

STR steht für „Shaved, Toasted, Re-charred” – ein Verfahren, bei dem gebrauchte Rotweinfässer innen abgehobelt, neu getoastet und teilweise ausgebrannt werden, um sie für Whisky nutzbar zu machen. STR-Fässer liefern eine Rotwein-nahe, würzig-fruchtige Note und wurden vor allem durch die GlenDronach- und BenRiach-Abfüllungen von Billy Walker populär gemacht.

Warum echte Sherryfässer heute so rar und teuer sind

Sherry wird heute kaum noch im Fass exportiert – fast der gesamte Sherry-Handel läuft in Flaschen. Was früher ein Nebenprodukt des Sherry-Handels war, ist heute eine eigene Industrie: Spanische Bodegas bauen und „würzen” (seasonen) Fässer eigens für Whisky-Kunden, oft über ein bis drei Jahre mit tatsächlichem Sherry befüllt, bevor sie an Destillerien verkauft werden. Das erklärt, warum Sherryfässer um ein Vielfaches teurer sind als gebrauchte Bourbonfässer, wie im Artikel zu Whisky-Fässern beschrieben.

Weiter zum Thema Fässer

Wie Fässer vor der ersten Whisky-Befüllung überhaupt vorbereitet werden, erklärt der Artikel zu Char-Level und Virgin Oak.