Whisky-Wissen

Nachhaltigkeit in der Whisky-Industrie: Wo die Branche wirklich steht

Schafe auf einer Weide in Schottland
Schafe auf einer Weide. Den größten Energiebedarf der Whiskyproduktion verursachen das Erhitzen der Brennblasen und das Darren des Malzes. Foto: buchstabenfabrik / Pixabay

Whisky wirkt auf den ersten Blick wie ein naturnahes Produkt – Getreide, Wasser, Holz. Tatsächlich ist die Herstellung energieintensiv, und die Branche steht zunehmend unter Druck, ihren ökologischen Fußabdruck offenzulegen und zu verringern.

Wo der größte Energieverbrauch entsteht

Der mit Abstand größte Energiebedarf entsteht beim Erhitzen der Brennblasen und beim Darren des Malzes in der Mälzerei (siehe Mälzen) – traditionell mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Heizöl. Der Ricardo-Report für die Scotch Whisky Association beziffert den Anteil der Destillation auf rund 91 Prozent des wärmebezogenen Brennstoffverbrauchs der Branche. Die Industrie hat sich über die Scotch Whisky Association verpflichtet, im eigenen Betrieb bis 2040 netto-klimaneutral zu werden – fünf Jahre vor dem Ziel der schottischen Regierung; über die gesamte Lieferkette hinweg peilt sie 2045 an.

Wasserverbrauch: mehr als nur Trinkwasser

Wasser geht in die Produktion weit über das ein, was am Ende in der Flasche landet – für Maischen, Kühlung und Reinigung. Die Scotch Whisky Association hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie darauf festgelegt, dass alle Produzenten bis 2025 in einem verantwortlichen Rahmen beim Wasserverbrauch bleiben; bis 2025 sollen außerdem alle neuen Verpackungen wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sein. In wasserarmen Regionen weltweit, etwa bei manchen indischen oder taiwanesischen Destillerien, ist verantwortungsvolles Wassermanagement inzwischen ein zentrales Betriebsthema, nicht nur ein Marketingargument.

Vorreiter der Branche

Einige Destillerien haben Nachhaltigkeit konsequent zum zentralen Markenkern gemacht: Ardnamurchan deckt Strom und Wärme nach eigenen Angaben aus lokaler Wasserkraft, Solarenergie und einem Biomassekessel, Nc’nean arbeitet mit Bio-Gerste, ist als B Corp zertifiziert und lässt sich die Netto-Null-Bilanz für die eigenen Betriebsemissionen (Scope 1 und 2) extern verifizieren. Solche Betriebe sind bislang eher die Ausnahme als die Regel, zeigen aber, dass eine deutlich grünere Produktion technisch möglich ist.

Kreislaufwirtschaft: Nebenprodukte sinnvoll nutzen

Whiskyproduktion erzeugt erhebliche Mengen an Nebenprodukten – die Getreidereste (Draff) aus dem Maischen werden traditionell als Viehfutter weiterverkauft, die Rückstände aus der ersten Destillation (Pot Ale) teils als Dünger genutzt. Manche moderne Destillerien gehen weiter und gewinnen aus diesen Reststoffen zusätzlich Biogas zur eigenen Energieversorgung – ein geschlossener Kreislauf, der Abfall in einer traditionell wenig auf Effizienz ausgerichteten Branche zunehmend reduziert.

Verpackung als oft übersehener Faktor

Neben der eigentlichen Produktion spielt auch die Verpackung eine Rolle: schwere Glasflaschen und aufwendige Geschenkkartons haben einen überraschend hohen CO2-Fußabdruck durch Herstellung und Transport. Einige Marken reduzieren inzwischen bewusst das Flaschengewicht oder verzichten ganz auf unnötige Umverpackung – ein kleiner, aber messbarer Hebel.

Ein ehrliches Fazit

Die Whiskyindustrie steht insgesamt noch am Anfang eines langen Weges, aber die Richtung stimmt: von reiner Symbolpolitik hin zu messbaren, überprüfbaren Zielen. Wer beim Kauf gezielt nachhaltigere Marken unterstützen möchte, findet in den Selbstverpflichtungen einzelner Destillerien inzwischen belastbarere Anhaltspunkte als noch vor wenigen Jahren.

Quellen

  1. Scotch Whisky commits to reach net zero by 2040 with launch of new sustainability strategy – Scotch Whisky Association (Netto-Null im eigenen Betrieb bis 2040; Verpackungen bis 2025 wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar; verantwortlicher Wasserverbrauch bis 2025), abgerufen am 20. September 2026
  2. Scotch whisky pathway to net zero – Ricardo-Report fuer die Scotch Whisky Association (2020): Destillation macht rund 91 Prozent des waermebezogenen Brennstoffverbrauchs aus, Bioenergie rund 7,8 Prozent des Brennstoffmixes, abgerufen am 20. September 2026
  3. Nc'nean: we are now a B Corp – Nc'nean Distillery (B-Corp-Zertifizierung; verifiziert netto-null fuer Scope 1 und 2), abgerufen am 20. September 2026
  4. The Story So Far – Ardnamurchan Distillery – Adelphi/Ardnamurchan (Strom und Waerme aus lokaler Wasserkraft, Solar und Biomasse; Draff und Pot Ale werden zu Tierfutter), abgerufen am 20. September 2026

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