Whisky-Wissen
Nachhaltigkeit in der Whisky-Industrie: Wo die Branche wirklich steht
Whisky wirkt auf den ersten Blick wie ein naturnahes Produkt – Getreide, Wasser, Holz. Tatsächlich ist die Herstellung energieintensiv, und die Branche steht zunehmend unter Druck, ihren ökologischen Fußabdruck offenzulegen und zu verringern.
Wo der größte Energieverbrauch entsteht
Der mit Abstand größte Energiebedarf entsteht beim Erhitzen der Brennblasen und beim Darren des Malzes in der Mälzerei (siehe Mälzen) – traditionell mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Heizöl. Der Ricardo-Report für die Scotch Whisky Association beziffert den Anteil der Destillation auf rund 91 Prozent des wärmebezogenen Brennstoffverbrauchs der Branche. Die Industrie hat sich über die Scotch Whisky Association verpflichtet, im eigenen Betrieb bis 2040 netto-klimaneutral zu werden – fünf Jahre vor dem Ziel der schottischen Regierung; über die gesamte Lieferkette hinweg peilt sie 2045 an.
Wasserverbrauch: mehr als nur Trinkwasser
Wasser geht in die Produktion weit über das ein, was am Ende in der Flasche landet – für Maischen, Kühlung und Reinigung. Die Scotch Whisky Association hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie darauf festgelegt, dass alle Produzenten bis 2025 in einem verantwortlichen Rahmen beim Wasserverbrauch bleiben; bis 2025 sollen außerdem alle neuen Verpackungen wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sein. In wasserarmen Regionen weltweit, etwa bei manchen indischen oder taiwanesischen Destillerien, ist verantwortungsvolles Wassermanagement inzwischen ein zentrales Betriebsthema, nicht nur ein Marketingargument.
Vorreiter der Branche
Einige Destillerien haben Nachhaltigkeit konsequent zum zentralen Markenkern gemacht: Ardnamurchan deckt Strom und Wärme nach eigenen Angaben aus lokaler Wasserkraft, Solarenergie und einem Biomassekessel, Nc’nean arbeitet mit Bio-Gerste, ist als B Corp zertifiziert und lässt sich die Netto-Null-Bilanz für die eigenen Betriebsemissionen (Scope 1 und 2) extern verifizieren. Solche Betriebe sind bislang eher die Ausnahme als die Regel, zeigen aber, dass eine deutlich grünere Produktion technisch möglich ist.
Kreislaufwirtschaft: Nebenprodukte sinnvoll nutzen
Whiskyproduktion erzeugt erhebliche Mengen an Nebenprodukten – die Getreidereste (Draff) aus dem Maischen werden traditionell als Viehfutter weiterverkauft, die Rückstände aus der ersten Destillation (Pot Ale) teils als Dünger genutzt. Manche moderne Destillerien gehen weiter und gewinnen aus diesen Reststoffen zusätzlich Biogas zur eigenen Energieversorgung – ein geschlossener Kreislauf, der Abfall in einer traditionell wenig auf Effizienz ausgerichteten Branche zunehmend reduziert.
Verpackung als oft übersehener Faktor
Neben der eigentlichen Produktion spielt auch die Verpackung eine Rolle: schwere Glasflaschen und aufwendige Geschenkkartons haben einen überraschend hohen CO2-Fußabdruck durch Herstellung und Transport. Einige Marken reduzieren inzwischen bewusst das Flaschengewicht oder verzichten ganz auf unnötige Umverpackung – ein kleiner, aber messbarer Hebel.
Ein ehrliches Fazit
Die Whiskyindustrie steht insgesamt noch am Anfang eines langen Weges, aber die Richtung stimmt: von reiner Symbolpolitik hin zu messbaren, überprüfbaren Zielen. Wer beim Kauf gezielt nachhaltigere Marken unterstützen möchte, findet in den Selbstverpflichtungen einzelner Destillerien inzwischen belastbarere Anhaltspunkte als noch vor wenigen Jahren.
Quellen
- Scotch Whisky commits to reach net zero by 2040 with launch of new sustainability strategy
- Scotch whisky pathway to net zero
- Nc'nean: we are now a B Corp
- The Story So Far – Ardnamurchan Distillery
Angaben zuletzt geprüft am .