Whisky-Wissen

Nachhaltigkeit in der Whisky-Industrie: Wo die Branche wirklich steht

Whisky wirkt auf den ersten Blick wie ein naturnahes Produkt – Getreide, Wasser, Holz. Tatsächlich ist die Herstellung energieintensiv, und die Branche steht zunehmend unter Druck, ihren ökologischen Fußabdruck offenzulegen und zu verringern.

Wo der größte Energieverbrauch entsteht

Der mit Abstand größte Energiebedarf entsteht beim Erhitzen der Brennblasen und beim Darren des Malzes in der Mälzerei (siehe Mälzen) – traditionell mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Heizöl. Die schottische Whiskyindustrie hat sich über die Scotch Whisky Association öffentlich zum Ziel gesetzt, bis 2040 komplett netto-klimaneutral zu produzieren, deutlich vor den meisten anderen Industriezweigen des Landes.

Wasserverbrauch: mehr als nur Trinkwasser

Für jeden Liter Whisky werden je nach Destillerie und Effizienz etwa 10 bis 20 Liter Wasser benötigt – für Maischen, Kühlung und Reinigung. In wasserarmen Regionen weltweit, etwa bei manchen indischen oder taiwanesischen Destillerien, ist verantwortungsvolles Wassermanagement inzwischen ein zentrales Betriebsthema, nicht nur ein Marketingargument.

Vorreiter der Branche

Einige Destillerien haben Nachhaltigkeit konsequent zum zentralen Markenkern gemacht: Ardnamurchan wird komplett mit selbst erzeugter Wasserkraft und Biomasse betrieben, Nc’nean verwendet ausschließlich Bio-Gerste und strebt nachweisbare Netto-Klimaneutralität an. Solche Betriebe sind bislang eher die Ausnahme als die Regel, zeigen aber, dass eine deutlich grünere Produktion technisch möglich ist.

Kreislaufwirtschaft: Nebenprodukte sinnvoll nutzen

Whiskyproduktion erzeugt erhebliche Mengen an Nebenprodukten – die Getreidereste (Draff) aus dem Maischen werden traditionell als Viehfutter weiterverkauft, die Rückstände aus der Gärung (Pot Ale) teils als Dünger genutzt. Manche moderne Destillerien gehen weiter und gewinnen aus diesen Reststoffen zusätzlich Biogas zur eigenen Energieversorgung – ein geschlossener Kreislauf, der Abfall in einer traditionell wenig auf Effizienz ausgerichteten Branche zunehmend reduziert.

Verpackung als oft übersehener Faktor

Neben der eigentlichen Produktion spielt auch die Verpackung eine Rolle: schwere Glasflaschen und aufwendige Geschenkkartons haben einen überraschend hohen CO2-Fußabdruck durch Herstellung und Transport. Einige Marken reduzieren inzwischen bewusst das Flaschengewicht oder verzichten ganz auf unnötige Umverpackung – ein kleiner, aber messbarer Hebel.

Ein ehrliches Fazit

Die Whiskyindustrie steht insgesamt noch am Anfang eines langen Weges, aber die Richtung stimmt: von reiner Symbolpolitik hin zu messbaren, überprüfbaren Zielen. Wer beim Kauf gezielt nachhaltigere Marken unterstützen möchte, findet in den Selbstverpflichtungen einzelner Destillerien inzwischen belastbarere Anhaltspunkte als noch vor wenigen Jahren.