Whisky-Wissen

Whisky-Tasting zu Hause organisieren: Ablauf, Menge, Reihenfolge

Ein eigenes Whisky-Tasting zu organisieren klingt aufwendiger, als es ist – mit der richtigen Struktur wird es zum Highlight jedes Abends. Hier die praktischen Antworten auf die häufigsten Fragen.

Wie viele Whiskys für einen Abend?

Vier bis sechs Flaschen sind ideal. Weniger als vier lohnt den Aufwand kaum, mehr als sechs überfordert die Zunge – nach dem sechsten Whisky lässt die Unterscheidungsfähigkeit spürbar nach, egal wie erfahren die Teilnehmer sind.

Wie viel Whisky pro Person und Flasche?

Rechne mit 2 bis 3 cl pro Person und Whisky – das reicht für einen Nosing- und einen Geschmacks-Durchgang, ohne dass am Ende des Abends niemand mehr klar urteilen kann. Bei sechs Whiskys und sechs Personen sind das rund 18 cl pro Flasche für den ganzen Abend – eine Standardflasche (70 cl) reicht also locker für mehrere Tastings.

Die richtige Reihenfolge

Die goldene Regel: leicht vor schwer, mild vor rauchig, jung vor alt. Eine typische Reihenfolge könnte so aussehen:

  1. Ein leichter Lowlander oder milder Speysider zum Aufwärmen, z. B. Auchentoshan American Oak oder Glenfiddich 12 Jahre
  2. Ein fruchtig-sherrylastiger Speysider wie Aberlour 12 Jahre
  3. Ein Highland-Malt mit etwas mehr Tiefe, z. B. Oban 14 Jahre
  4. Ein ausgewogener, leicht rauchiger Islay wie Bowmore 12 Jahre
  5. Ein kräftiger Islay-Rauchbomber zum Abschluss, z. B. Laphroaig 10 Jahre oder Ardbeg Ten

Auchentoshan · Glenfiddich · Aberlour · Oban · Bowmore · Laphroaig · Ardbeg

Wieso diese Reihenfolge wichtig ist, erklärt der Grundgedanke: Ein kräftiger Rauch-Whisky am Anfang würde die Zunge für alles Folgende betäuben. Mehr zur Steigerung speziell bei Rauch im Artikel Die besten rauchigen Whiskys

Was du zusätzlich brauchst

  • Passende Gläser für jeden Teilnehmer, idealerweise Glencairn (siehe Whisky-Gläser)
  • Stilles Wasser zum Verdünnen und zwischen den Whiskys
  • Neutrales Brot oder Cracker zum Neutralisieren der Zunge zwischen den Proben
  • Notizzettel für jeden Teilnehmer (siehe Tasting-Notizen schreiben)

Blind oder offen verkosten?

Für Einsteiger empfehle ich ein offenes Tasting, bei dem jeder weiß, was er trinkt – das erleichtert das Lernen. Erfahrenere Gruppen können ein Blind-Tasting ausprobieren, bei dem die Flaschen erst am Ende aufgedeckt werden – überraschend oft überzeugt der günstigere Whisky mehr, als man erwartet hätte.

Timing

Plane pro Whisky etwa 15 bis 20 Minuten ein, inklusive Gespräch und Notizen – ein Sechser-Tasting dauert damit gut anderthalb bis zwei Stunden. Genug Zeit, um jeden Whisky wirklich wahrzunehmen, ohne dass der Abend sich zieht.